Das zweite Sternenmärchen
Das Märchen vom Zauberwald
 
Vor ewigen Zeiten lebte auf einem kleinen Planeten ein friedlicher Stamm von Wiesenelben. Sie freuten sich über jeden Sonnenstrahl und sie lebten in Frieden mit all ihren Nachbarn. Wann immer sie konnten, durchforschten sie ihre Wiesen und Felder und die jüngeren spielten und tollten darin herum. Sie liebten die Wiesen und Felder, denn dort waren sie zuhause. Aber auf dem Planeten der friedlichen Wiesenelben gab es auch einen Wald, und dieser Wald war genauso groß wie undurchdringlich.
 
Zema nannten die Elben diesen Wald, denn er erschien ihnen so unergründlich und geheimnisvoll. Sie fürchteten ihn, aber sie brauchten ihn auch. Daher hatten sie ihr Dorf am Rande des Waldes errichtet, gerade soweit davon entfernt, dass sie sicher waren vor allem, was darin hauste. Und gerade so dicht daran, dass die Blätter der Bäume ihnen abends – wenn der einsetzende Nachtwind sie durchstreifte – Geschichten erzählen konnten. Jeden Tag erzählten die Blätter ihnen eine andere Geschichte, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind gerade wehte. Die Elben liebten die Geschichten des Waldes. Aber sie fürchteten sich auch vor dem, was in ihm lebte. Deshalb wären sie ihm am liebsten nie zu nahe gekommen.
 
Einmal im Leben jedoch musste jeder Elb sich auf eine Reise in den Wald begeben, ob er wollte oder nicht. Das war seit jeher ein fester Brauch im friedlichen Stamme der Wiesenelben. Diese Reise war furchteinflößend und obendrein nicht ungefährlich, denn Drachen trieben darin ihr Unwesen, hieß es, und Greifen und andere noch viel schrecklichere Geschöpfe. Aber ganz tief im Herzen des Waldes – dort, wo die Bäume am dichtesten stehen und das Sonnenlicht die Äste so gut wie niemals durchbricht – dort gab es einen Spiegel. Die Elben nannten ihn Rasmed, den Hüter der Träume. Er barg, so sagte man, den größten Traum eines jeden Elben, der auf dem kleinen Planeten zu Hause war und genau deshalb war die Reise in den Wald für die Elben unabdingbar.

Solange sie jung waren, lebten die Elben glücklich und zufrieden in den Tag hinein. Sie spielten und tollten unbekümmert vor sich hin und ahnten nicht, dass tief in jedem von ihnen ein Traum steckte, der einmal ihr für immer Leben verändern würde. Irgendwann nämlich kam der Tag, ...